GINA FISCHLI
GOOD GIRL

04.12.2020—02.05.2021

GINA FISCHLI
GOOD GIRL

04.12.2020—02.05.2021

GINA FISCHLI
GOOD GIRL

04.12.2020—02.05.2021

GINA FISCHLI
GOOD GIRL

04.12.2020—02.05.2021

GINA FISCHLI
GOOD GIRL

04.12.2020—02.05.2021

Gerade in emotional stressigen Phasen stellt sich bei vielen Menschen childhood nostalgia ein, die verklärte Erinnerung an die Kindheit als goldenes Zeitalter voll von freier Zeit und uneingeschränktem Handeln. Die sonnige Zeit des Lebens, bevor die Verantwortung und die Erwartung des modernen Erwachsenseins einsetzten. Ein utopischer Ort, an dem der Wolf sich friedlich zum Schaf legt. Es ist nicht so, dass es bei Fischlis „Good Girl“ um childhood nostalgia ginge, zumindest nicht zuvorderst. Aber ganz sicher findet die Ausstellung an den Räumen statt, an welchen diese warme, schützende Fiktion genährt wird. Wer hat nicht schon ein Vogelhaus mit seinen Großeltern gebaut? Mit Glitzer gebastelt oder diese Bücher ausgemalt, in denen Fuchs und Katze gleichermaßen drollig auf das Küken starren anstatt es zu zerfleischen? Gina Fischlis unschuldige, vermeintlich authentische Ästhetik verweist immer wieder auf diese Nestwärme, jedoch ohne darin schwelgerisch aufzugehen oder sich ironisch zu positionieren.

Dass „Good Girl“ jedoch keine kitschige Utopie aufmacht, in der das Leben ein Ponyhof (engl. picnic) ist, verdeutlicht jedoch spätestens der Titel. Wer nun das gute Mädchen ist oder sein soll, wer überhaupt spricht, bleibt unklar.

Dadurch rutschen diverse Frauenrollen – Künstlerin, Mutter, Tochter – und die Erwartungen an sie übereinander, scheinen mal austauschbar, dann wieder untrennbar aufeinander bezogen. Dabei geht es offenbar nicht darum, die Kunst mit Lebenswirklichkeit anzureichern, sondern einfach zuzulassen, dass sie aus einem häufig chaotischen Alltag heraus entsteht. Und auf einer weiteren Ebene (Stichwort Künstlerin, Mutter, Tochter), wie stark unsere Kultur Frauen dazu auffordert, sich der Außenwelt unschuldig und naiv zu präsentieren. Die Wölfin soll doch bitteschön ein Kuscheltier sein. Mit diesem Wissen im Hinterkopf gibt es keinen Grund, nostalgisch zu werden. 

Gina Fischli (*1989) studierte an der Hochschule für bildende Kunst Hamburg und an der Royal Academy of Arts London. Neben unzähligen Beteiligungen an Gruppenausstellungen hatte Fischli bislang Einzelausstellungen bei Forde (Genf, 2016), Delf (Wien, 2017), Sundy, (London, 2018) und 303 Gallery (New York, 2019). Ihre Ausstellung im Neuen Essener Kunstverein ist Gina Fischlis erste institutionelle Einzelausstellung.

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© Bild: image copyright and courtesy of the artists and Neuer Essener Kunstverein

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