NICO IHLEIN: MONTANA IN UNTEREISESHEIM

3.11.17–14.01.18

Die Arbeiten von Nico Ihlein (*1972) lassen sich nur schwerlich einer der Strömungen oder Entwicklungen innerhalb der zeitgenössischen Kunst zuordnen. Seine Keramiken, die trotz einer Ausweitung auf andere Formate noch immer Ihleins Paradediziplin darstellen, lassen sich als im besten Sinne unzeitgemäß beschreiben. Unzeitgemäß in ihrem Medium, der Keramik, die bei ihm das Gegenteil von Zen-Purismus betreibt. Und ebenso in ihrer Bezugnahme auf ornamentale Traditionen, Rüschen und Bordüren, welche von der Moderne als unfunktional und kitschig verworfen wurden. Allerdings spielt Ihlein seine aus der Zeit gefallenen Gegenstände nicht in pop-kulturellen Kategorien wie ‚retro’ oder ‚camp’ aus, sondern besetzt leichtfüßig einen Standpunkt irgendwo zwischen Ernsthaftigkeit und Ironie, naiv und abgeklärt. Dabei bleibt er einer strategischen Uneindeutigkeit treu, die man sicherlich auch mit der Honey Suckle Company verbindet, jenem in Künstlerkreisen fast schon legendären Kollektiv, dem Ihlein angehört.

Für seine Ausstellung „Montana in Untereisesheim“ nutzt Nico Ihlein geschickt die Schaukasten-Architektur des Neuen Essener Kunstvereins. Vorhänge blockieren den Blick von außen. Die im Innern präsentierten Vasen werden so einem vorschnellen Scan durch die Scheibe entzogen und müssen aus der Nähe mitsamt ihrer überbordenden Detailfülle betrachtet werden. Neu angefertigte Zeichnungen schwelgen in den floralen Designs vergangener Interior- Kollektionen und artikulieren, wie die Arbeiten des Künstlers im Allgemeinen, ein vorsichtiges Herantasten an die unmögliche Wiederbelebung des Schönen im Kitsch.

Schiefe_Zaehne_Nico_Ihlein_017

© Bild: www.schiefe-zaehne.com

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